... dauert eine Zigarette. Und ein letztes Glas im Steh'n.

RL

Nun ja, es soll ja nicht zur Guten Nacht aufgerufen werden, sondern zur Beteiligung an der Onkel Emma Einkaufsgenossenschaft e.G. Dazu haben wir die Gelegenheit gehabt, bei Radio Lora 92,4 im Magazin ein kurzes Interview zu geben. Leider waren wir, wie wir nach dem Interview feststellen mussten, nicht gut genug gerüstet für die Fragen des Moderators. Macht aber nichts. Hier erstmal das Interview vom 01.12.2015 18:45 Uhr bis 19:00 Uhr gesendet bei Radio Lora 92,4 und im Folgenden die fehlenden Antworten auf die gestellten Fragen:


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Vielen Dank dafür an die Besatzung von Radio Lora 92,4.


Und hier sind nochmals die im Interview gestellten Fragen mit allem, was in der kurzen Zeit nicht gesagt werden konnte oder vor lauter Aufregung untergegangen sein könnte:
Ist das jetzt ein Einzelhandelsgeschäft für Transgender?

Gute Frage, nächste Frage. Wie im Interview kurz besprochen, ist der Name aus einem Wortspiel mit dem bekannten Begriff: Tante-Emma-Laden entstanden. Onkel Emma soll also das Lokale repräsentieren und gleichzeitig eine andere Form des Einkaufs darstellen.

Was ist jetzt so anders an Onkel Emma?

Onkel Emma ist rein juristisch gesehen eine Firma, eine Genossenschaft. Und damit fängt der große Unterschied schon an. Während eine Firma gewinnorientiert arbeitet, ein Verein nicht gewinnorientiert arbeiten darf, ist die Rechtsform der Genossenschaft, in der jedes Mitglied eine Stimme hat, eine Form der Mitbestimmung, die in den regelmässig stattfindenden Generalversammlungen ausgeübt werden kann. Genossenschaften werden je nach Größe, aber mindestens alle zwei Jahre von einem Prüfungsverband, in diesem Fall vom Prüfungsverband Hamburg für Konsumgenossenschaften e.V. überprüft. Hier wird sowohl der finanzielle Rahmen, als auch die in der Satzung hinterlegten Belange der Mitglieder geprüft.

So viel zum rechtlichen Aspekt. Die Einkaufsidee in nur einem Satz: Eine jederzeit an jedem Tag der Woche mögliche Bestellung wird im Laden zur Abholung oder zur Auslieferung bereitgestellt, wobei Mitglieder auf die Lieferantenauswahl Einfluss nehmen können.

Wie kann das funktionieren?

Das funktioniert mit möglichst vielen Mitgliedern wie in so vielen Bereichen auch. Eine Wertschätzung von Lebensmitteln, was die Qualität und die Herkunft angeht, sollte eine Schnäppchenmentalität ersetzen. Leider funktioniert billig momentan noch am besten.

Wenn ich Waren beziehen möchte, muss ich erst mal Mitglied werden?

Richtig. Voraussetzung zur Teilnahme am Einkaufskonzept ist eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft. Die Genossenschaftseinlage ist eine einmalige Zahlung, die für Haushalte bei 200,- Euro liegt, für Firmen bei 400,- Euro und bei Haushalten mit eingeschränktem Budget, also dem Bezug vom sogenannten "Hartz IV", liegt die Einlage bei 100,- Euro. Die Einlage wird nicht verzinst, wird bei einem Austritt aus der Genossenschaft zurückgezahlt und bei erwirtschafteten Überschüssen wird darauf anteilig eine Ausschüttung erfolgen.

Klingt kompliziert. Ich möchte ja eigentlich nur Lebensmittel einkaufen.

Naja, weniger kompliziert ist da wohl der erwähnte einfache Lebensmitteleinkauf. Nehmen wir mal das Lehel, was in dieser Hinsicht als schlechtes Beispiel dienen darf. Setzen wir eine eingeschränkte Mobilität voraus, also kein Auto, kein Fahrrad und eine bestimmte Uhrzeit, zum Beispiel 17:00 Uhr bis 20:00 Uhr. Eine Zeit also, in der das Angebot im Supermarkt trotz aufgefüllter Regale abgenommen hat.
Machen wir uns auf den Weg mit unseren Pfandflaschen und einer Tragetasche, in der wir den Einkauf nach Hause tragen. Die Verteilung der "Supermärkte" ist auf die Randzonen des Lehels beschränkt. Der Fußmarsch dürfte somit 10 bis 15 Minuten dauern.
Wir betreten den Markt, die Gänge sind eng, damit viele Waren angeboten werden können. Wir werden nach optimaler Werbestrategie links herum durch den Markt geführt, fast wie eine Polonaise, die sich durch den Markt schiebt. Haben wir die Flaschen im Pfandautomaten abgegeben, der diesmal einfach so funktioniert hat, wie er soll, füllen wir einen Wagen oder einen Korb mit unseren Lebensmitteln, die wir vorher auf eine Liste geschrieben hatten. Haben wir keine Liste, füllt sich der Einkaufskorb nach dem, was wir sehen oder vielmehr, was uns in unserer Bequemlichkeit auf Augenhöhe präsentiert wird. Übrigens: Wer sich mal gefragt hat, warum ein Einkaufswagen ein schräges Bodengitter hat: Es ist nicht die Funktion, mehrere Einkaufswägen zusammenzuschieben und wenn, dann nur am Rande. Viel wichtiger ist, dass der schon im Wagen liegende Einkauf nach hinten rutscht, aus dem Blickfeld des Kunden verschwindet und so den Drang nach mehr Einkauf verstärken soll.
Ist dann alles eingekauft, kommt die Wahl der Qual. In welcher Schlange stelle ich mich an? Experten raten, sich in die linke Schlange zu stellen, weil proportional mehr Rechtshänder die Waren schneller aufs Band legen und schneller durch die Kassen geschleust werden können.
Bezahlt wird in bar oder mit der Karte. Lediglich die Discounter wie Aldi oder Lidl fragen schon vor dem letzten durch den Scanner gezogenen Produkt nach der Bezahloption, um dadurch den Takt zu optimieren.
Es wird gezahlt und der Einkauf stapelt sich auf der kurzen Ablage hinter der Kasse. Wer will, kann schon während der Warenerfassung seinen Einkauf einräumen, was aber je nach Menge zu einem Stechen mit der Kassenkraft ausartet. Die kurze Ablage hinter der Kasse dient dazu, den Kunden aus dem Laden zu befördern, da er ja seine Schuldigkeit getan hat. Gehen sie mal in ein Restaurant, essen dort und nachdem Sie gezahlt haben, wird der bequeme Stuhl durch einen Melkschemel ersetzt. Kommen Sie wieder?
In den "Supermarkt" müssen Sie, es gibt ja sonst keine Angebote, außer in einem Tante-Emma-Laden, der preislich aber eher ein Delikatessenladen sein müsste.
Jetzt noch schnell den Einkauf mit immer länger werdenden Armen nach Hause tragen, also so in 10 bis 15 Minuten und es dürfte mehr als eine Stunde vergangen sein für das Erlebnis: Einfach nur Lebensmittel einkaufen.

Ich könnte auch selber zum Frischemarkt gehen in die Zenettistraße. Warum ist das jetzt besser, wenn ich das über euch mache?

Natürlich kann man selber in den Frischemarkt gehen, dort gibt es auch für den sogenannten Endverbraucher die Möglichkeit, mit einer Kundenkarte einkaufen zu gehen oder vielmehr zu fahren, wenn die halbstündige Busfahrt zu lange dauern sollte, Parkplätze vor der Tür vorausgesetzt. Über die Onkel Emma Einkaufsgenossenschaft e.G. kann das Sortiment bestellt werden, der Aufschlag dient der Finanzierung der Genossenschaft und dürfte nach Abzug der Fahrtkosten und des zeitlichen und physikalischen Aufwands durchaus gerechtfertigt sein.
Andere Lieferanten beliefern keine Endverbraucher, sind also für Großhändler konzipiert. Da kann man dann nicht selber einkaufen gehen, außer man kann über einen Firmenausweis oder einen ausgeliehenen Ausweis einkaufen.

Woher wisst ihr, was ich brauche?

Nun. Das wissen wir erst, wenn die Bestellung über das Einkaufssystem auf der Webseite eingegeben wurde. Mitglieder ohne Internetanschluss können telefonisch bestellen, wobei die Mitarbeiter ein Kundenkonto anlegen und dort die Bestellungen eintragen.

Das heißt, ihr nehmt mir jetzt die Arbeit ab, wenn ich von Geschäft A zu Geschäft B zu Geschäft C gehen müsste, um meinen Einkaufszettel abzuarbeiten?

Ja.

Und wenn ich jetzt was brauche, was bei euch nicht im Angebot ist?

Wenn ein Mitglied bestimmte Lebensmittel bestellen möchte, können wir diese, nach Verfügbarkeit beim Lieferanten, ins System übernehmen und somit ist die gewünschte Ware beim nächsten Einkauf lieferbar, sofern beim Lieferanten vorrätig. Es besteht die Möglichkeit, neue Lieferanten aufzunehmen und somit das Angebot zu erweitern.

Was ist der Unterschied zu den bestehenden Lieferservices?

Bestehende Lieferservices der "Supermärkte" sind an lokalen Strukturen nicht interessiert. Hier geht es nur um die schnelle Mark, wie es früher hieß. Dieselgetriebene Fahrzeuge stehen neben den von Paketdienstleistern und liefern, durch teure Logistik ermöglicht, grammgenaue Lieferungen aus. Interessant wäre noch, welchen Lohn, die Lieferanten beziehen. Bei Foodora z.B. einem Lieferservice, der aus ausgesuchten gastronomischen Betrieben Essen liefert, wird der Stundenlohn mit 10 Euro angegeben. Dies ist eine Aussage einer Foodora Lieferantin. Wie diese 10 Euro/Stunde zusammenkommen, ob als Aushilfe oder als Subunternehmer oder im Angestelltenverhältnis, da hat die Zeit zur Nachfrage nicht gereicht.

Onkel Emma wird die Waren mit Lastenfahrrädern ausliefern. Für weitere Strecken ist geplant, eine APE auf Elektroantrieb umzurüsten und für größere Transporte zu verwenden.

Was passiert bei einer Bestellung mit den restlichen Tomaten? Man kann es ja nicht unendlich zwischenlagern, um es an die einzelnen Abnehmer zu verteilen.

Geliefert beziehungsweise eingekauft wird nur, was auch bestellt wurde. Unser Aufsichtsratsvorsitzender wird eine Anwendung programmieren, in der es möglich ist, eine Beteiligung an z.B. einem ganzen Schwein abzugeben. Wenn dann die 100% erreicht worden sind, wird die Bestellung, die Verteilung und die Auslieferung oder Abholung gestartet.

Das Liefergebiet wäre das Lehel und die angrenzenden Stadtviertel. Wo eher Leute wohnen, die gut verdienen, weil man das auch muss, um die vielleicht etwas höheren Preise gegenüber dem Selbstgang in den Supermarkt zu bezahlen?

Die Preise bei Onkel Emma sind in der Regel die gleichen Preise wie im "Supermarkt", was einen Einkauf aus dem Hamberger betrifft, der als Lieferant über ein Vollsortiment verfügt, also auch Toilettenpapier, Waschmittel, Reinigungsmittel etc. anbietet. Hier gibt es preisliche und vor allem qualitative Unterschiede zum herkömmlichen Angebot. D.h. die Preise im Hamberger sind auf den Kilopreis berechnet, günstiger als im "Supermarkt". Anders verhält es sich bei hochpreisigen Lebensmitteln, z.B. aus dem Frischemarkt oder bei Produkten aus biologischem Anbau. Hier gilt es, sich an die Margen der Biodiscounter heranzutasten ohne die Wirtschaftlichkeit der Genossenschaft zu gefährden.

Und alles was übrig bleibt, wird dann beim monatlichen Treffen der Genossen abgefrühstückt?

Generalversammlungen werden sicherlich nicht monatlich stattfinden. Der genaue Turnus muss erst noch bestimmt werden. Hierbei zahlen die Mitglieder in der Regel ihr Essen und ihre Getränke selbst und Reste gibt es ja wie schon vorher erwähnt nicht.

Und wie viel Mitglieder habt ihr schon?

Der momentane Stand an Mitgliedern (01.12.2015) liegt bei 10 Mitgliedern.

Die Leute melden sich nicht an, weil sie müssen ja auch 200 Euro Mitgliedsbeitrag zahlen?

Das wäre ein Gedanke. Eine andere Möglichkeit ist vielleicht der Gedanke, die 200 Euro seien jährlich oder gar monatlich fällig. Nein. Dieser Beitrag, die Einlage, ist eine einmalige Zahlung, wird nicht verzinst und bei Austritt zurückgezahlt.
Es ist eher so, dass die Leute einen laufenden Betrieb sehen wollen und damit beißt sich die Schlange in den Schwanz. Die Mitgliedsbeiträge sind ein Teil der Investitionskosten der Genossenschaft. Je weniger Mitgliedereinlagen, desto größer die Notwendigkeit, Fremdkapital aufnehmen zu müssen und umso geringer die Möglichkeit, Ausschüttungen auf die Einlage zu erhalten.
Darum heißt es, in die Genossenschaft einzutreten, um sie zu Laufen zu bringen.

Das heißt, ihr als Vorstände verdient dann auch nichts dran und macht das alles ehrenamtlich oder wie sieht das aus?

Bisher ist das genauso. Die Aufsichtsräte arbeiten qua Gesetz ehrenamtlich und die Vorstände arbeiten momentan seit gut einem Jahr pro bono, will heißen umsonst. Das kann so nicht bleiben. Wenn die Genossenschaft ihre Arbeit aufnimmt, werden Arbeits- und Angestelltenverträge aufgesetzt und die Arbeit des Vorstands sowie die Arbeit der Mitarbeiter wird in einem angemessenen Rahmen entlohnt werden.

Wie kann man denn Mitglied werden oder wie kann man sich näher informieren?

Gleich hier auf der Seite, z.B. bei den Fragen und Antworten. Wer darüber hinaus noch Fragen hat, die auch für andere Interessenten wichtig sein könnten, kann diese in einem kleinen Formular an uns stellen. Wir werden sie auf jeden Fall persönlich beantworten und bei Bedarf auch auf die Webseite stellen.

Wann soll das alles losgehen? Wann werden die ersten Kisten ausgeliefert, realistischerweise?

Die Ladensuche ist das eigentliche Hauptproblem. Einen günstigen Laden für den Start zu finden, ist angesichts explodierender Preise schwierig. Wir rechnen bis zum Februar 2016 mit einer positiven Lösung.


Link zu Radio Lora 92,4

Link zum Original Beitrag (der Beitrag wird nach einer Woche ins Archiv verschoben.)

Der gesamte Magazinbeitrag zum Nachhören:

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